ANTJE KRATZ

Fußmalerin
geb. 1961 in Frankfurt am Main

Stipendiatin der VDMFK ab 1981, Vollmitglied seit 1988


Antje Kratz wurde mit einer Conterganschädigung geboren,ohne Arme und Hände. Schon früh musste sie lernen, sich mit dieser Behinderung zu arrangieren. Ihre Füße setzt sie nicht nur dafür ein, um sich zu bewegen. Mit ihnen macht sie all das, wofür andere Menschen ganz selbstverständlich die Hände nehmen: Sie greift, sie tastet – und sie malt mit den Füßen.

An einer Schule für Körperbehinderte machte Antje Kratz ihren Hauptschulabschluss und hatte 1978 das Glück, als Volontärin bei den Städtischen Bühnen in Frankfurt aufgenommen zu werden. Dort konnte sie im Malersaal an Bühnenbildern mitarbeiten: „Von da an war für mich ein Leben ohne Malen nicht mehr vorstellbar.“ Herrmann Haindl, der damalige Leiter des Malersaals, kümmerte sich intensiv um ihre künstlerische Ausbildung. Eine Berufstätigkeit im Malersaal kam für sie wegen der zu bewältigenden großen Kulissen und ihrer körperlichen Einschränkungen jedoch nicht infrage.

Ihre Malstudien setzte sie an Haindls Künstlerhof in Hofheim/Taunus fort. Von dieser für sie so schönen Zeit profitiert die Fußmalerin bis heute. Auch 1981, als sie sich nach ihrem Volontariat bei der Vereinigung der Mund- und Fussmalenden Künstler in aller Welt e.V. (VDMFK) bewarb, kam ihr diese Ausbildung zugute. Antje Kratz wurde als Stipendiatin aufgenommen und ist seit 1988 Vollmitglied der VDMFK: „Ich bin richtig froh, dass mich die Vereinigung finanziell unterstützt. Das gibt mir ein sicheres Gefühl. Auch das ist wichtig beim Malen.“

Antje Kratz freut sich, wenn ihre Bilder in Ausstellungen oder als Reproduktionen im Sortiment des MFK-Verlags Anerkennung finden. Aber sie ist nicht nur beim Malen aktiv: Fast 20 Jahre lang hat sie Ballett getanzt und dabei ihre Beweglichkeit geschult, sie schwimmt, fährt Auto, geht gerne auf Reisen – besonders nach Italien, wo sie 1999 auch ihren Mann Horst geheiratet hat. Von dort bringt sie so manche Bildidee mit nach Hause: Toskanische Landschaften gehören neben Stillleben zu ihren Lieblingsmotiven. Emil Nolde und Vincent van Gogh, die mit intensiven Farbtönen gemalt haben, sind für sie wichtige Vorbilder.

Eigentlich müsste Antje Kratz gar nicht weit reisen, denn wenn sie den Pinsel mit dem rechten Fuß führt, gehen ihre Gedanken auf weite Fahrt. Dann taucht sie ein in eine völlig andere Welt und vergisst alles um sich herum. Ihre Ölbilder, die sie mit kräftigem Pinselstrich malt, sind Ausdruck ihrer Lebensfreude: „Ich bin wirklich sehr zufrieden und glücklich! Ich fühle mich wohl in meiner Haut.“



Mehr über Antje Kratz: www.antje-kratz.de

KÜNSTLERAKTIVITÄTEN

Sendereihe „Challenge“ berichtet über Markus Kostka und Antje Kratz

„Malen ohne Hände“ lautet der Titel eines Films aus der kabel 1-Sendereihe „Challenge“, die über das Leben und Schaffen der mund- und fußmalenden Künstler Markus Kostka und Antje Kratz berichtet. Ohne Umschweife und ohne zu kommentieren erzählt der Film unter anderem, wie souverän die Fußmalerin Antje Kratz ihren Alltag meistert und mit welcher Selbstverständlichkeit sie schon immer mit ihrer Behinderung umgegangen ist – ganz egal, ob im Ballett, beim Autofahren oder eben beim Malen. Die Sendereihe „Challenge“ ist ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien e.V. und kabel 1 und berichtet einmal im Monat über besondere Persönlichkeiten.
> Film online anschauen


Eine Hymne auf den Fuß

Das Fernsehen der Neuen Zürcher Zeitung filmte "Eine Hymne auf den Fuß"  und interviewte dazu auch Antje Kratz. Der Film zeigt, dass der Fuß "weit mehr ist als nur Schuhträger". Für die Fußmalerin, Primaballerina, den Organist oder Schlagzeuger sind sie auch wichtiges Arbeitsinstrument. Der Film bietet einen ganz anderen Blickwinkel auf den "Fuß" uns ist absolut sehenswert.

> Mehr Informationen auf der Website von NZZ Format