Renate Schaible-Kaufmann

Mundmalerin
geb. 1938 in Ludwigshafen
Stipendiatin der VDMFK seit 1964


Renate Schaible-Kaufmann kam spastisch gelähmt zur Welt, konnte ihre Hände nicht gebrauchen und war auch in ihrer Motorik eingeschränkt. Als schwerbehindertes Kind konnte sie in der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht zur Schule gehen. Sie wurde deshalb zu Hause von ihrer Mutter, einer selbstständigen Schneiderin, unterrichtet. Und irgendwann begann Renate Schaible-Kaufmann auch zu zeichnen und zu malen. 

Renate Schaible-Kaufmann war wissbegierig, lernte schnell, las gerne und entwickelte viele Interessen – und wäre am liebsten Archäologin geworden. Dieser Berufswunsch musste angesichts ihrer Behinderung allerdings ein Traum bleiben. Sie war erst zwölf Jahre alt, als sich ihr körperlicher Zustand gravierend verschlechterte. Hüftgelenkprobleme, die medizinisch nicht richtig erkannt und behandelt wurden, schränkten ihre Bewegungsfähigkeit unter anhaltenden und teilweise unerträglichen Schmerzen zunehmend ein. 

Beim Versuch, ihre Spastik durch einen operativen Eingriff im Gehirn bereits in jungen Jahren zu mildern, erlitt sie Verletzungen des Sprachzentrums. „Dadurch wurde meine Aussprache so undeutlich, dass eine normale Unterhaltung für mich nicht mehr möglich war.“ Dennoch blickte sie nach vorne. Heute kann sie dank des technischen Fortschritts mittels ihres Computers gut schriftlich kommunizieren. „Man muss immer an der Hoffnung festhalten“, schreibt sie mit einem Mundstab auf der Computertastatur, „denn irgendwann kommt das Licht wieder, wenn es auch im Augenblick noch so hoffnungslos und dunkel ist.“ 

Diese Erkenntnis und ihr Lebensgefühl versucht Renate Schaible-Kaufmann in ihren Bildern auszudrücken und weiterzugeben. Und so malt sie am liebsten Bilder mit viel Licht und gelben Farbtönen – sei es eine kahle Birke im Winter, eine farbintensive Herbstlandschaft oder ein sommerliches Mohnblumenfeld. Um ihre stimmungsvollen Motive einzufangen, fährt sie gerne mit ihrem mundgesteuerten Rollstuhl in die Natur hinaus, beobachtet genau und malt dann zu Hause aus der Erinnerung.

Seit 1964 gehört Renate Schaible-Kaufmann der Vereinigung der Mund- und Fussmalenden Künstler in aller Welt e.V. (VDMFK) an. Gerne nimmt sie die Möglichkeit wahr, mit ihrem langjährigen Betreuer zu dem alljährlichen Malworkshop nach Potsdam zu fahren, bei dem sie neue Anregungen bekommt und die Gemeinschaft mit den anderen deutschen Mund- und Fußmalern genießt. „Ich finde es sehr gut, dass es so eine Vereinigung gibt, denn sie ermöglicht vielen behinderten Menschen, für sich selbst zu sorgen. Das ist eine wunderbare Sache.“