Reinhard Melzer

Mundmaler
geb. 1938 in Zehdenick, Mark Brandenburg
Stipendiat der VDMFK ab 1962, Vollmitglied seit 1992


„Ich male meine Bilder am liebsten in einem Schwung durch“, erklärt der Mundmaler Reinhard Melzer aus Berlin. Wer seine Arbeiten näher betrachtet, ist von der großen Vielfalt überrascht, die mit diesem Schwung einhergeht: Landschaften, Stillleben, aber auch Porträts und Aktbilder zeugen von seiner Freude am Experimentieren mit Farbgebung und Malstil.

Von realistisch detailreichen Darstellungen bis hin zu abstrakten Kompositionen: Bei Reinhard Melzer entdeckt man immer wieder Neues. Fast hat es den Anschein, als ob hier mehrere Künstler gemalt hätten. „Nicht jeder Tag ist wie der andere! Das zeigt sich auch in meinen Bildern“, betont er. Reinhard Melzer lebt von Geburt an mit einer spastischen Lähmung, durch die seine Hände fast völlig funktionsuntüchtig sind. Außerdem ist er heute bis auf ganz kurze Gehstrecken auf den Rollstuhl angewiesen.

Seine Jugend verbrachte er vorwiegend in Birkenwerder nördlich von Berlin, besuchte dort die Körperbehindertenschule und begann mit etwa zwölf Jahren, mit dem Pinsel im Mund zu malen. Als 20-Jähriger wurde er in einem Altenpflegeheim untergebracht, weil es für ihn in der damaligen DDR keinen anderen Platz gab. Dort bildete er seine künstlerischen Fähigkeiten mit Unterstützung einiger Kunstschaffender weiter aus.

Über die 20 langen Jahre, die er als junger Mensch in Altenpflegeheimen zubringen musste, sagt Reinhard Melzer: „Wenn ich die Malerei nicht gehabt hätte, hätte ich das alles nicht überlebt.“
Es war wie ein neues Leben, als Ende der 1970er-Jahre endlich sein großer Traum in Erfüllung ging und er eine eigene kleine Wohnung in Berlin-Buch beziehen konnte. Diese neu gewonnene Selbstständigkeit ermöglichte es ihm, sein künstlerisches Wirken voll zu entfalten, und er betrieb sein Selbststudium noch intensiver als zuvor. In der inzwischen erweiterten Wohnung wird er von seiner Lebensgefährtin Sigrid Wolf unterstützt.

Im Laufe der Jahre waren Bilder von Reinhard Melzer in vielen Ausstellungen zu sehen und auch ein Katalog zeugt von seiner Vielseitigkeit im Umgang mit Sujet, Farbe und Malstil. „Es ist mir wichtig, dass meine künstlerische Arbeit unabhängig von meiner Behinderung betrachtet wird“, sagt Reinhard Melzer. Da er den Terpentingeruch beim Ölmalen mit dem Gesicht so dicht an der Leinwand nicht mehr verträgt, malt er seit längerem vorzugsweise Aquarelle. Auch diese Bilder sind von seiner Experimentierfreude geprägt.

Seit 1962 gehört Melzer der Vereinigung der Mund- und Fussmalenden Künstler in aller Welt e.V. (VDMFK) an – 1992 wurde er Vollmitglied – und ist froh darüber, dass die Vereinigung ihm die finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht.