Lars Höllerer

Mundmaler
geb. 1969 in Überlingen am Bodensee
Stipendiat der VDMFK ab 1999, Vollmitglied seit 2007


Er lässt sich inspirieren von Landschaften Paul Cézannes, findet eine eigene Bildsprache für seine Kinder- und Tiermotive, experimentiert mit verschiedenen Aktmalstilen, gestaltet eigenwillige Stadtansichten und malt abstrakte Kompositionen – Lars Höllerer ist ein vielseitiger Mundmaler. Und er ist ein Mensch, der mit viel Humor und Mut einen Weg gefunden hat, mit seiner schweren Behinderung umzugehen.

Sein künstlerisches Talent entdeckte Lars Höllerer in einer extrem schwierigen Lebenssituation: Seit einem Motorradunfall im Jahr 1991 ist er vom Hals abwärts gelähmt und kann nur noch den Kopf bewegen. „Ich bin von hundert auf null gebremst worden“, sagt er, „da ist man froh, wenn man wieder auf zehn kommt.“ Seine ersten Malversuche mit dem Pinsel im Mund unternahm er in der Rehabilitationsklinik in Tübingen. In den Jahren danach setzte sich Lars Höllerer zunächst im Eigenstudium mit der Malerei auseinander, später an der freien Kunstakademie Mühlhofen. Bis heute widmet er sich intensiv seiner künstlerischen Weiterentwicklung und ist stets offen für neue Impulse.

Seine in Öl gemalten Bilder waren bereits in vielen Ausstellungen zu sehen, Funk und Fernsehen wurden auf ihn aufmerksam und haben einige Beiträge mit ihm ausgestrahlt. So wurde auch über seine Besuche in Kindergärten berichtet, bei denen er den Kindern das Malen mit dem Mund zeigt, es sie selbst ausprobieren lässt und geduldig ihre Fragen beantwortet. Mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit behinderten Menschen in unserer Gesellschaft ist ihm ein großes Anliegen.

Je nach körperlicher Verfassung malt Lars Höllerer täglich mehrere Stunden. Die produktive Tätigkeit und vor allem auch die Anerkennung, die er für seine Bilder bekommt, haben seinem Leben einen neuen Sinn gegeben. Dass seine Motive auch für den Druck von Grußkarten und Kalenderbildern immer wieder gerne vom MFK-Verlag und weltweit von Verlagen der VDMFK ausgewählt werden, freut ihn sehr.

Lars Höllerer wurde 1999 als Stipendiat in die Vereinigung der Mund- und Fussmalenden Künstler in aller Welt e.V. (VDMFK) aufgenommen und ist seit 2007 Vollmitglied. Neben der großen finanziellen Unterstützung, die er von der VDMFK erfährt, ist ihm auch der Kontakt mit anderen Mund- und Fußmalern sehr wichtig. Gerne nimmt er deshalb Einladungen zu internationalen Treffen der Vereinigung und zu deren Mal-Workshops wahr: „Diese Reisen“, sagt Höllerer, „die ich mit Hilfe meiner Betreuer machen kann, sind für mich zwar sehr anstrengend, doch ich freue mich über jede Gelegenheit, etwas Neues kennenzulernen und mich mit den anderen Mund- und Fußmalern auszutauschen.“

Mehr über Lars Höllerer: www.kunst-mit-dem-mund.de

 

KÜNSTLERAKTIVITÄTEN


Foto: Landesgartenschau Überlingen

Über Gott und die Welt

Am 10. September 2021 war Lars Höllerer zu Gast beim „Sinnsender“ ERF und stand dem Moderator der Sendung „Gott sei Dank“ Rede und Anwort. Und zwar zu allen Themen, die das Leben des in Überlingen am Bodenssee lebenden Mundmalers bestimmen: seine Kunst und sein Weg dahin, seine Maltechnik, sein Alltag und sein ebenso alltäglich gelebter Glaube. Das Ergebnis ist ein rund halbstündiger Live-Talk, dessen Mitschnitt sich Interessierte in der ERF-Mediathek ansehen können.

ERF „Der Sinnsender“ gehört zum ERF Medien e. V., der seinen Sitz in Wetzlar hat. Der gemeinnützige Verein produziert Radio- und Fernsehprogramme sowie Internetangebote mit christlich-evangelikalen Inhalten. Er wurde 1959 als Evangeliums-Rundfunk (ERF) gegründet.


Foto: Landesgartenschau Überlingen

Farbe im Klinikalltag

Ihren Patient*innen den Klinikalltag verschönern die Verantwortlichen des Helios Spitals in Überlingen seit diesem Monat mithilfe des Mundmalers Lars Höllerer: Vom Erdgeschoss bis in den 3. Stock sind in den allgemein zugänglichen Bereichen Gemälde des Mundmalers zu sehen – eine im wahrsten Wortsinn bunte, aufmunternde Auswahl aus seinen im Pop-Art-Stil gemalten Modern-Art-Werken und seiner Reihe „Aus dem Leben des Max Mustermann“! Auch interessierte Besucherinnen und Besucher können sich die in den Fluren gehängten Bilder ansehen, aufgrund von Corona-vorbeugenden Maßnahmen kann die Klinik allerdings nur eine Besucherin oder einen Besucher pro Stunde ins Haus lassen. Interessierte sollten sich deshalb am besten an der Pforte anmelden. Die Ausstellung dauert noch bis November. Wer keine Gelegenheit hat, nach Überlingen zu reisen: Auch auf der Webseite des Mundmalers lässt sich trefflich in die fröhlich-bunte Welt seiner Modern-Art-Werke und die Max-Mustermann-Reihe eintauchen.


Foto: Landesgartenschau Überlingen

Gelebte Inklusion

Am Sonntag, 4. Juli 2021, findet von 9 und 19 Uhr auf der Landesgartenschau in Überlingen am Bodensee ein bunter Aktions- und Begegnungstag für Menschen mit und ohne Behinderung statt. Unter vielem anderen können Besucher/innen dem Mundmaler Lars Höllerer bei der Arbeit zuschauen. Neben der Maldemonstration zeigt der Künstler auch eine rund 20 Motive umfassende Auswahl seiner Gemälde. Und nicht zuletzt hat er auch sein Hörbuch „Roll on. Das war’s dann wohl mit Frauenheld“ dabei. Neben Lars Höllerer sind zahlreiche weitere Akteur/innen vor Ort und entführen die Besucherinnen und Besucher mit einem Marine-Kutter „auf See“ oder bezaubern sie mit spontanen Zirkus-Einlagen. Außerdem werden handgefertigte Produkte gezeigt, die auch gekauft werden können. Mit ihren Beiträgen zu diesem Aktionstag möchten die Akteur/innen beispielhaft zeigen, dass Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft gleichberechtigt leben, arbeiten und ein möglichst selbständiges Leben führen. Weitere Informationen gibt es auf der Seite der Landesgartenschau


Live auf Sendung

Zwei Stunden Zeit für ein Gespräch mit Menschen, die im Mittelpunkt stehen, die Herausragendes leisten oder einfach eine spannende Lebensgeschichte haben: In der Sendereihe „Leute“, die der SWR wochentags in seinem ersten Programm ausstrahlt, ist das möglich. Und so sind bei den beiden Moderatoren Wolfgang Heim und Nicole Köster Show- und Sportstars, Politiker, Nobelpreisträger, Wissenschaftler oder einfach Menschen mit einer interessanten Biografie aus aller Welt zu Gast. Am Donnerstag, 9. Juli 2020, hatte das Redaktionsteam erneut den in Überlingen lebenden Mundmaler Lars Höllerer ins Studio eingeladen, nachdem die eigentlich für März geplante Sendung mit ihm aufgrund von Cororna ausfallen musste. Lars Höllerer stand seinem Gastgeber und Interviewer Wolfgang Heim Rede und Antwort rund um sein Leben und natürlich auch zu seiner Kunst. Wer die Sendung verpasst hat – kein Grund, traurig zu sein: Einen Mitschnitt des rund zweistündigen Gesprächs gibt es im SWR1-Archiv im Audio- und Videoformat.


Lars macht’s vor

Besondere Zeiten erfordern besondere Taten – deshalb hatte die VDMFK den weltweiten Wettbewerb #MouthandFoodChallenge ausgerufen. Zahlreiche mund- und fußmalende Künstlerinnen und Künstler weltweit haben sich mit verschiedenen Tutorials daran beteiligt, um den Menschen in Zeiten des Covid-19-Lockdowns Mut zu machen. Und sie in ihrem Zuhause zum Mitmachen zu ermutigen. Die erste Aufgabe bei diesem Wettberb lautete: „Male einen Regenbogen unter dem Motto „Alles wird gut!“, dann folgten Tiere und Figuren. Selbstverständlich mund- und fußgemalt! Neben Fußmalerin Antje Kratz hat auch der Mundmaler Lars Höllerer für diese Aktion Videos hergestellt und online gestellt. Seine Tipps und Tricks fürs Mundmalen sind ab sofort in seinem eigenen YouTube-Kanal oder auf dem des MFK-Verlags zu sehen.


Leben am See

Im Kreisjahrbuch „Leben am See“ geht es um das Thema Inklusion und wie Städte und Gemeinden des Bodenseekreises damit umgehen. In 45 Beiträgen werden hier spannende und beeindruckende Geschichten erzählt. Eine davon handelt vom in Überlingen lebenden Mundmaler Lars Höllerer, der nach einem schweren Motorradunfall mit viel Mut und Humor seinen Weg gefunden und seine Liebe zur Kunst entdeckt hat. Neben seiner Malerei setzt er sich für mehr Selbstverständlichkeit im Umgang mit behinderten Menschen in der Gesellschaft ein. Ob mit dem Mund malender Künstler, gehörloser Mittelfeldspieler oder Astronauten-Assistent: Im Jahrbuch „Leben am See“ wird über besondere Menschen aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Sport und Ehrenamt berichtet – wenn sie nicht gar selbst zu Wort kommen.
> Weitere Infos zum Sammelband gibt es hier